Depression

Der Nebel
Seltsam, im Nebel zu wandern!

 

Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.
Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.
Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.
                                               Hermann Hesse
Dieses Gedicht zeigt deutlich die schwermütige Persönlichkeit von Hermann Hesse, die ihn sein ganzes Leben hindurch begleitet hat. Zwischendurch hat sich seine Schwermütigkeit verstärkt und er ist in eine Depression unterschiedlicher Ausprägungen gefallen. Sein Umgang damit war es, dies in seinen Gedichten und Geschichten zu verarbeiten. Viele künstlerisch tätige Menschen haben in ihrem Leben irgendwann eine depressive Phase, die von Dunkelheit, Schwere und zu weilen auch Einsamkeit geprägt ist. Doch, in der Bewältigung dieser Krankheit oder auch psychischen Störung können sie ihr wahres Potenzial leben und kreativ, künstlerisch tätig sein. Viele von ihnen nutzen auch die Kunst, um ihr Innerstes nach außen zu bringen, und es dort zu bewältigen.

Man kann nicht davon ausgehen, dass viele dieser Menschen eine starke Depression haben bzw. gehabt haben. Vielfach haben sie eine schwermütige oder melancholische Persönlichkeit, was sich zuweilen in Rückzug und Alleinsein ausdrückt.
Schon in der Vergangenheit haben u.a. Maler durch ihre Bilder dieser Erkrankung ein Erscheinungsbild gegeben. So zum Beispiel Dürer mit seinem Bild „Melancholia“ aus dem Jahre 1514.
Abb. 1 Dürers Bild Melancholia (de.wikipedia.org)
Er hat sich mit dem Malen des Bildes mit seinen Themen der Einsamkeit, Trauer, Vergänglichkeit des Daseins und mit dem Wunsch nach Erlösung nicht nur beschäftigt, sondern auch einen Umgang damit ermöglicht.
Aber nicht nur Maler auch andere Künstler wie z.B. Ludwig Hirsch, der seinen Wunsch nach Wegfliegen in dem bekannten Lied „Komm schwarzer Vogel“ Ausdruck gibt. Wegfliegen ein Ausdruck für die „poetische Todessehnsucht“ (Zitat Dahlke, 2006, S.  24), ein für Schwermütige, bekanntes Gefühl.
Im Vergleich zur Schwermut (Melancholie) zeigt sich die Depression drastischer, dramatischer. Abhängig von ihren Ausprägungen von leicht, mittel bis schwer, enthält sie folgende Symptome
·         Gedrückte Stimmung
·         Interessensverlust
·         Freudlosigkeit
·         Verminderung des Antriebes
·         Unruhe
Bereits nach kleinen Anstrengungen tritt Müdigkeit ein, was eine Aktivitätseinschränkung zur Folge hat.
Weitere Symptome wie
·         Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
·         Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
·         Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit
·         Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
·         Suizidgedanken, erfolgte Selbstverletzung oder Suizidhandlungen
·         Schlafstörungen
·         Verminderter Appetit
weisen auf eine  depressive Episode hin.  Wie bereits erwähnt können diese Symptome leicht, mittel oder schwer ausgeprägt sein.
Vielfach kann die Depression hinter verschiedenen körperlichen Symptomen wie z.B. Rücken- und Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und andere mehr, versteckt sein. Dann spricht man von der „larvierten“ Depression. Das Wort „larviert“ wird in diesem Fall von der „Larve“ abgeleitet. Die  Larve eine Form der Maske erklärt mit diesem Wort ganz gut die Verschleierung der Depression durch körperliche Symptome. Zu beachten ist allerdings, dass nicht jeder Rücken- /Kopfschmerz, Schwindel usw. eine Depression zugrunde hat.
Die Erkrankung kann sich nicht nur durch den Grad der Ausprägung unterscheiden, sondern kommt auch in verschiedenen Lebensstadien vor. Selbst Kinder sind davon nicht verschont. Auch bei anderen Lebensübergängen und Alter wie Pubertät, Heirat / Partnerschaft, Elternschaft (Wochenbettdepression, Leere-Nest-Syndrom), in der Lebensmitte ausgelöst durch Pensionsschock sowie im Alter kann sich diese Krankheit entwickeln. Besonders im Alter ist es schwierig, eine Depression zu diagnostizieren, weil sich durch die Demenz, die viele der alten Menschen entwickelt haben, die wahren Gefühle wie Einsamkeit und Trauer dahinter verstecken. Die Menschen flüchten sich sozusagen ins Vergessen, damit sie sich mit diesen Gefühlen nicht mehr auseinander setzen müssen. Natürlich ist dies noch nicht beweisen; es wäre aber gut, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen, denn dadurch könnten vielen Menschen, die unter einer verschleierten Demenz leiden, viel besser geholfen werden. Es ist jedoch ein Zeichen der Zeit, des Systems, dass gerade diese Altersklasse „vergessen“ wird. Niemand will sich mit der Thematik des Alters auseinandersetzen. Jeder will alt werden, jedoch nicht alt sein. Der Verlust der Arbeit, des bisherigen Heimes oder von Freunden, die vorher versterben, evtl. Erkrankungen, die alleine schwer zu bewältigen sind, fördert die Entstehung der Depression bzw. der Demenz. Demente Menschen müssen sich nicht mehr mit der Situation auseinander setzen, dass sie alleine, einsam und vielfach abgeschoben sind.
                                                    
Eine weitere Form der Depression ist die Winterdepression. Wie bereits im Namen enthalten, entwickelt bzw. tritt diese Depression hauptsächlich im Herbst, Winter auf, wenn es kälter wird, die Tage kürzer und vielfach Nebel über den einzelnen Landstrichen anzutreffen ist. Nicht nur die Stimmung ist davon abhängig, auch der Körper reagiert auf diese kalte Jahreszeit. Denn die biochemischen Prozesse in unserem Körper werden durch das Sonnenlicht gesteuert und daher kann sich Tageslichtmangel hinderlich auf die Verfassung auswirken.
Schon hilfreich ist hier ein regelmäßiger Aufenthalt im Freien, auch wenn die Sonne nicht scheint, ausgewogene Ernährung und Gewohnheiten angepasst an diese Zeit. Die Natur ist in diesem Fall die beste Therapieform. Zusätzlich zur frischen Luft, regelmäßigen Bewegung sind Bäume, die besten Freunde, die man durchaus auch mal umarmen kann. Wer offen dafür ist, kann schon mal spüren, wie die Energie, die Kraft eines Baumes durch einen fließt. Ganz einfach auszuprobieren ist es auch. Kostet nichts, außer ein bisschen Zeit, die man für den Fußmarsch zum nächsten Baum benötigt. Dort angekommen, kann man den Baum ganz einfach umarmen, wer aber weniger mutig ist, legt einfach seine Handflächen auf die Rinde, atmet tief in sich hinein, schließt die Augen, schaltet seinen Denkapparat aus und spürt wie die Energie fließt … Wichtig, wie bei allem ist, dass man dies mit einem Gefühl des Respektes und der Dankbarkeit ausübt. Es zahlt sich auf jeden Fall aus, dies mal zu testen …
Diese Form zählt aber nicht zu den richtig schwer ausgeprägten Depressionen. Sie verschwindet meistens von allein, wenn die Tage wieder länger werden, wieder mehr Sonnenschein vorhanden ist und es in Richtung Frühling geht. Die empfehlenswerte zusätzliche Therapie ist hier die Lichttherapie. Bei der Lichttherapie werden entsprechende Lampen eingesetzt, deren Helligkeit dem Tageslicht bei Sonnenschein entspricht. Allerdings nicht zum Verwechseln oder weniger geeignet, sind Solarien. Zum Wohlbefinden eignen sich auch gut dosierte Solarienbesuche, denn die Wärme ist kein zu unterschätzender Faktor!
Andere auslösende Ursachen für depressive Episoden oder Depressionen sind Stress, Traumata, Verlust von Lebensinhalt und Lebenssinn, mangelnde Selbstverwirklichung, Überlastung und Erschöpfung, das Familiensystem und ganz besonders in unserer heutigen Zeit wichtig zu erwähnen, Mangelernährung und Umweltbelastung.
Neurologen führen die körperliche Ursache einer Depression auf eine Störung des Hirnstoffwechsels zurück. Dabei sind Serotonin, Noradrenalin und andere Botenstoffe aus dem Gleichgewicht geraten. Die Folge ist, dass die Gefühls – und Gedankenwelt davon betroffen ist.
Daher werden hier Medikamente, sogenannte Antidepressiva, eingesetzt. Denn diese sorgen dafür, dass die Botenstoffe an ihren Wirkungsorten länger zur Verfügung stehen. Die Rückaufnahme der Botenstoffe in ihre Speicher wird dadurch verhindert, der Abbau blockiert bzw. wird der Botenstoff vermehrt aus seinen Speichern ausgeschüttet. Wie bei anderen Medikamenten gibt es ebenfalls Nebenwirkungen und es ist unklar, ob die Medikamente tatsächlich helfen.
(http://www.netdoktor.de/Krankheiten/Depression/Therapie/Depression-Antidepressiva-604.html)
Medikamentöse Therapie ist vor allem bei schweren Depressionen zu empfehlen. Jedoch nur auf Medikamente zu setzen ist verkehrt. Medikamente können hilfreich sein, eine grundsätzliche Stabilität zu erreichen, Wichtig und unerlässlich bei der Behandlung von Depressionen sind Psychotherapien. Jedoch muss jeder für sich selbst herausfinden, welche Therapieform für ihn geeignet ist.
Manchmal kann es bereits hilfreich sein, neue Verhaltensstrategien und Denkmuster zu erarbeiten, durch loslassen negativer. Dies erreicht man mit Hilfe einer kognitiven Verhaltenstherapie.
Wer tiefer in sich hinein schauen möchte, kann die psychodynamische Therapie dazu erwählen. D.h. bei dieser Therapieform versucht man die Ursachen der Probleme, die tief in der Persönlichkeit verwurzelt sind und oft in der Kindheit liegen, aufzudecken.
Alternativ dazu ist die Methode der  Familienaufstellung und/oder Rückführung in diese Zeit zu empfehlen.
Zusätzlich zu den oben angeführten Therapien sollte auch bewusster auf Bewegung und Ernährung in dieser Zeit geachtet werden. Nicht nur spazieren gehen oder leichtes Joggen, auch Bauchmuskeltraining erhöht das körperliche Wohlbefinden, was sich unterstützend zur Behandlung und in weiterer Folge auch vorbeugend für eine Entstehung der Depression sich auswirken kann. Das Sinnvollste am Sport ist die Regelmäßigkeit und es soll keinesfalls, gerade zu Beginn, übertrieben werden. Geeignete Sportarten je nach individueller allgemeiner körperlicher Verfassung sind Radfahren, laufen oder schwimmen. Um einer möglichen Antriebslosigkeit entgegen zu wirken, ist es ratsam sich einer Gruppe anzuschließen.  Aber auch die Ernährung spielt einen wichtigen Faktor. Begleitend dazu ist eine Omega 3 angereicherte Ernährung zu empfehlen.
  
Zusammengefasst lässt sich die Entstehung bzw. Aufrechterhaltung einer Depression wie in der unten angeführten Abbildung darstellen:

Auf jeden Fall gilt, ob die Depression, leicht, mittel oder schwer ausgeprägt ist, dass der / die Betroffene sich Hilfe daraus sucht. Es gibt immer einen Weg, der manchmal vielleicht schwer zu gehen ist, aber es lohnt sich, sich seinen „Schatten“ zu stellen, um ein qualitativ lebenswerteres Leben zu leben.
Aber das Allerwichtigste ist die Bereitschaft, gesund zu werden, sich seinen inneren „Dämonen“ zu stellen und die Offenheit, an dieses Thema heranzugehen. Und es ist auch wesentlich, so ehrlich wie nur möglich mit sich selbst zu sein. 
Doch nicht nur daran Erkrankte leiden, auch für Angehörige, sowohl für Partner als auch Kinder oder Freunde, kann es eine emotionale Belastung sein. Gefühle wie Hilflosigkeit, Überforderung, Ärger und Schuldgefühle sind in dieser Situation vollkommen normal. Elementar ist es, die Gefühle, die man fühlt, zu akzeptieren. Es ist okay, dass man sich hilflos, überfordert, ärgerlich fühlt. Es tauchen Gedanken auf, wie kann man helfen, oder wie verhält man sich richtig.
Für Angehörige und Freunde, die mit einem depressiven Menschen zusammenleben ist es enorm wichtig, auf sich selbst zu achten. Z.B. auch mal auf Abstand gehen, Unternehmungen machen, die Kraft geben und auftanken lassen, sich selbst professionelle Hilfe suchen, um sich zu entlasten, sich auch mit fröhlichen Dingen, Menschen umgeben und sich vor allem eines im Klaren sein, dass sie nicht der Therapeut sind, der dem Betroffenen helfen, sondern ein Mensch, der den Betroffenen liebt und sich aus diesen Gründen überfordert fühlen kann. Es ist ein Zeichen von Stärke, sich Hilfe im außen zu suchen, um selbst gesund und stabil zu bleiben.
Quellen:
H. Dilling, W. Mombour, M.H. Schmidt (Hrsg.). 2000. Internationale Klassifikation psychischer Störungen; ICD-10 Kapitel V (F), klinisch-diagnostische Leitlinien, 4., korrigierte und ergänzte Auflage, Verlag: Hans Huber, ISBN3-456-83526-4
Dahlke, Rüdiger (2006). Depression. Wege aus der dunklen Nacht der Seele. Verlag: Goldmann, ISBN-13: 978-3-442-33749-1

 

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